Ninas Monster – Zuhause gesucht erschien am 19. August 2026 im Tulipan Verlag und ist der zweite Band zu Ninas Monster – Falsch geliefert. Es richtet sich an Kinder ab 8 Jahre und stammt von Rüdiger Bertram, mit Illustrationen von Mateo Dineen.

Spannung pur!

Die Monster, Walter, Elisabeth, Mimi, Hypra und Amir sind zurück. Mittlerweile leben diese bei Ninas Oma im Studio und sorgen für reichlich Klicks. Denn Ninas Oma ist eine erfolgreiche TikTokerin. Alles scheint friedlich zu sein, wären da nicht Frau Franken und Herr Stein. Die beiden Betreiber des Monsterversand, wo Walter, Elisabeth, Mimi, Hypra und Amir herkommen. Diese wollen ihre Monster wieder haben, doch Nina und ihre Oma geben diese natürlich nicht her.

Nina beginnt mit ihrem Monsterversand, nennt ihn jedoch «Kaugummiversand», damit Frau Franken und Herr Stein keinen Verdacht schöpfen. Doch die beiden kommen Nina schließlich auf die Spur – und ein monstermäßiges Abenteuer nimmt seinen Lauf. Nachdem alle Monster, bis auf das große blaue namens Walter, bei passenden und freundlichen Menschen untergebracht sind, locken Frau Franken und Herr Stein Nina und ihre Oma auf eine Burg und stellen ihnen dort eine Falle. Im Burgturm festgesetzt, bleibt den beiden nur die Hoffnung, dass die fünf Monster zusammen die beiden befreien und die Gauner endgültig ausschalten.

Meinung zum Buch

Wieder ein sehr schönes und gut geschriebenes Buch für Kinder. Die Geschichte bietet ein spannendes Abenteuer, das sich sowohl zum Selberlesen als auch zum Vorlesen bestens eignet. Rüdiger Bertram erzählt mit viel Humor und einem guten Gespür für kindgerechte Spannung, sodass man schnell wieder in Ninas Welt eintaucht. Die Illustrationen von Mateo Dineen sind – wie schon im ersten Band – sehr gelungen und fangen die Atmosphäre der Geschichte mit warmen, lebendigen Bildern ein. Insgesamt ein rundes, liebevoll gestaltetes Kinderbuch, das Freude macht und Lust auf weitere Monsterabenteuer weckt.

Zwischen den Zeilen Versteckte Gesellschaftskritik im ersten wie im zweiten Band

Erweiterte Rezension zum Ersten und Zweiten Band

Bereits im ersten Band gibt es Gesellschaftskritik. Nina wünscht sich kein Haustier wie „andere Kinder“, sondern ein Monster, „das sie beschützt und verteidigt gegen die doofen Kinder, die Nina in der Schule immer ärgern“ (Kapitel 1 – Monster gibt es nicht, Seite 7). Auf den Seiten 11 und 12, ebenfalls Kapitel I des ersten Bandes, kommt das Thema Schule auf. „Auf dem Hof wird Nina ausgelacht, weil ihre Eltern sie nicht zum Unterricht fahren und sie zur Schule laufen muss“. Das Thema Elterntaxis und die Eltern, die ihre Kinder am liebsten bis zum Klassenzimmer fahren würden, greift der Autor auf den Seiten 11 und 12 auf. Mit der Aussage «mit teuren Autos bis zum Eingang gebracht», macht Rüdiger Bertram noch auf was anderes aufmerksam. Damit zeigt er, wie sichtbar soziale Unterschiede im Alltag der Kinder sind und wie stark solche Statussymbole den Umgang auf dem Schulhof prägen. Wer mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem ÖPNV zur Schule kommt, passt in dieses Bild von Wohlstand und Status nicht hinein. Das zeigt auch die Passage „In der Pause steht Nina allein in der Ecke, weil niemand mit ihr spielen möchte“.

Weiter geht es in Band 2. Auch hier zeigt sich Kritik an gesellschaftlichen Bedingungen. Dieses Mal steht das Thema Wohnraum im Mittelpunkt. Die Familie lebt in einer Dreiraumwohnung, die eigentlich kaum mehr als eine Zweiraumwohnung ist, eine «winzige Wohnung» und „was Größeres können wir uns nicht leisten“ (Kapitel 5 – Ein Plan muss her). Der Autor lenkt damit den Blick auf beengte Wohnverhältnisse, die viele Familien betreffen, und zeigt, wie wenig Platz für Rückzug und Privatsphäre bleibt. Zudem kommt die Sorge, ob das Geld überhaupt noch für diese Wohnung reicht „und selbst hier müssen wir vielleicht bald raus, weil unser Vermieter die Mieter erhöhen will.“ (Seite 42). Ein Punkt, den viele Familien oder Alleinerziehende kennen. Das Geld ist so knapp, dass Ninas Eltern nun auch Samstag arbeiten müssen. Ninas Mutter trägt Pakete aus und ihr Vater repariert Fahrräder. Aus diesem Grund ist sie auch oft nachmittags allein.

Soziale Ausgrenzung

Im letzten Kapitel 15 Glückliche Monster fällt eine Passage besonders auf. Nach dem Höhepunkt bringen Nina und ihre Oma die Monster Elisabeth, Hypra und Amir zu ihren neuen Besitzern zurück, denn mittlerweile sind alle Monster vermittelt. Das kleinste Monster Mimi bleibt bei Nina. Nur für Walter gibt es keine passende Person, niemand, der ihn aufnehmen möchte oder sich für ihn interessiert. Der Autor greift hier die Problematik Obdachlosigkeit auf. Menschen, die aus dem System fallen und für manche als störend im Stadtbild gelten, beschreibt Rüdiger Bertram mit dem Monster Walter. Auf den Seiten 129 und 130 gibt Walter sich selbst auf, „…lasst mich einfach hier zurück“. „Hauptsache, ihr seid alle Glücklich“.

Seine Worte über die Suche nach «ein bisschen Liebe», die Angst, einsam durch die Straßen zu streifen, und die Vorstellung, irgendwann anonym «unter einer Brücke zu sterben», spiegeln genau das wider: Obdachlosigkeit und Einsamkeit.

Dana Schallenberg, Redakteurin kulturmdTV Magdeburger Stadtfernsehen, Studentin BA Journalismus 

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